Willkommen beim AEU

Wirtschaftliches Handeln und Unternehmertum sind wesentliche Elemente unserer Gesellschaft. Dieses Handeln ist nur auf der Basis ethischer Werte nachhaltig erfolgreich. Die fortschreitende Globalisierung unserer Welt ist zugleich Herausforderung und Chance, diese Werte zu leben - damit unternehmerisches Handeln verantwortliches Handeln ist.

Die zunehmende Komplexität unserer globalen Wirtschaftsordnung verlangt nach einer wirkungsvollen und nachvollziehbaren Werteordnung. Diese findet sich im christlichen Glauben.

Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist die Brücke zwischen Wirtschaft und Evangelischer Kirche. Wir vermitteln Grundsätze, erklären Hintergründe und beleben Diskurse zu aktuellen Themen.

 

Keine Angst vor KI - Veränderungen müssen gestaltet werden

Wer entscheidet über die Anzeige von Suchergebnissen? Über die Einstufung einer Kreditanfrage? Über einen Versicherungstarif? Über die Wahl einer Navigationsroute? Über die Einstufung einer medizinischen Diagnose? Die Frage, wie sich KI-basierte oder -unterstützte Entscheidungsverfahren grundsätzlich in Wirtschaft und Gesellschaft auswirken, stand im Mittelpunkt der Kooperationstagung "Wer hat's entschieden? - Ethische Konsequenzen KI-basierter Entscheidungen in Wirtschaft und Gesellschaft" am 24./25. Oktober 2019 in Bad Boll, die vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer, der Evangelischen Akademie Bad Boll, der Hochschule für Technik Stuttgart und der FOM Hochschule Mannheim ausgerichtet wurde.

Aus der Sicht eines Versicherungsunternehmens und eines Automobilunternehmens wurden exemplarisch zukünftige Anwendungsperspektiven vorgestellt: Mit den Leitlinien der Europäischen Union zu "Trustworthy AI" auf der einen, den "Digital Ethics Guidelines on AI" der Deutschen Telekom AG auf der anderen Seite wurden Vorschläge diskutiert, wie diese Anwendungsperspektiven durch einen ethischen Rahmen fundiert werden sollen. Im Kamingespräch betonte Landesbischof Dr. h.c. Frank O. July, Evangelische Landeskirche in Württemberg, daß das Selbstverständnis des Menschen durch Künstliche Intelligenz herausgefordert werde und dem Menschen möglicherweise eine neue Kränkung bevorstehe. Diese könne seine Sonderstellung infrage stellen. Demgegenüber müsse es darum gehen, Handeln und Verantwortung auf ethischer Grundlage weiterhin zusammenzuhalten.

Dr. Christoph Peylo, Global Head des Bosch Center for Artificial Intelligence, machte als Mitglied der High-Level Expert-Group der Europäischen Kommission zum Thema Künstliche Intelligenz deutlich, daß sich die EU-Leitlinien ethisch an einem Konzept des "Good Life" orientieren, in das unterschiedliche ethische Ansätze einfließen. "Grundlegende ethische Aspekte müssen aber weiterhin als gesellschaftliche Aufgaben – gerade auch in christlicher Perspektive – wahrgenommen werden, die nicht an die Programmierung maschineller Systeme delegiert werden können." Als Beispiele nannte er die Würde des Menschen, die Verhinderung von Ausgrenzung und die Bekämpfung von Ungerechtigkeit. Dabei sei die Steigerung der menschlichen Intelligenz im Umgang mit den KI-Systemen und für die gesellschaftliche Gestaltung angesichts zunehmender Komplexität von entscheidender Bedeutung.

In der abschließenden Diskussion zur Frage "Werden wir klüger durch KI?" wurden die Herausforderungen und Ambivalenzen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz deutlich: So gab es unterschiedliche Positionen auf die Frage: "Wie kommen wir im Verhältnis von künstlicher und menschlicher Intelligenz aus der Defensive heraus?". Von "Wir werden nicht intelligenter, sondern klüger" bis "Filme wie 'I Robot' zeigen schon heute, wie es möglich ist, mit Robotern zu leben. Der Mensch neigt dazu, diese Dinge zu akzeptieren". Auch vor einer gesellschaftlichen Spaltung wurde gewarnt: "Einige werden klüger werden. Andere werden vieles, was den Menschen ausmacht, an die Maschinen delegieren."

Optimistischer äußerten sich die Teilnehmenden der Abschlußdiskussion auf die Frage wie gesellschaftliche Verantwortung für eine gemeinwohlfördernde Nutzung von Künstlicher Intelligenz verankert werden könne: "KI wird für uns wirtschaften. Dann haben wir mehr Zeit uns selbst zu verwirklichen und unser Leben zu gestalten." Sogar als mögliche Lösung von gesellschaftlichen Schlüsselproblemen wird KI gesehen: "Jetzt kommen Alte oft ins Pflegeheim, weil sie niemand betreut. Intelligente Roboter sind allemal besser als die Menschen allein zu Hause zu lassen." Allerdings werden dazu neue Wege zur Finanzierung notwendig: "Wenn weniger Menschen arbeiten (müssen), werden sie Sozialkassen leerer sein. Neue Finanzierungsmodelle für das Gemeinwohl werden gebraucht." Mit dem weiteren Rückgang des Arbeitsanteils an der Wertschöpfung müßte die Finanzierungsgrundlage anders verfaßt werden. Aber eine "Maschinensteuer" dürfte kein Innovationshemmnis werden.

Die Einschätzung: "Keine Angst vor der KI, aber die gesellschaftlichen Veränderungen müssen gestaltet werden" faßt das Ergebnis der Diskussionen im Sinne eines Zwischenergebnisses zusammen. Bei diesem Prozeß sind Bildung und ein ethischer Diskurs gefordert. Wiederholt wurde die Erwartung an die Kirche, ihre Einrichtungen und Werke formuliert, sich intensiver und wahrnehmbarer in die aktuelle Diskussion einzubringen, um die ethischen Dimensionen der Entwicklung und Anwendung von KI mitzugestalten. Die skeptische Diagnose, die kirchliche Diskussion könnte bereits den Anschluß verpaßt haben, wurde mit der Aussicht beantwortet, daß angesichts der dynamischen Entwicklung ein kirchlicher Beitrag an jedem Punkt neu einsetzen könne. Dieser müsse aber auf der Höhe der Zeit sein und den Punkt treffen. Die Fortsetzung dieser Tagungsreihe am 20./21. November 2020 wird gerade auf diesen Punkt hinarbeiten.

 

Wachs: Auch im Internet ethische Orientierung geben

Nach dem Attentat am 9. Oktober 2019 in Halle steht unsere Gesellschaft am Scheideweg: Soll die digitale Welt stärker der staatlichen Kontrolle unterworfen werden? Oder finden wir einen Weg, eine freie digitale Gesellschaft zu gestalten? Welche Grenzen gilt es zu schützen und welche roten Linien sind zu ziehen? Der digitale Wandel ist eine Herausforderung, die die Entscheider in Politik, Wirtschaft und Kirche vor immer neue - alte - Fragen stellt.

Auf dem gemeinsamen Empfang der Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland und der regionalen Arbeitsgruppe des AEU in Mitteldeutschland unter dem Rahmenthema "Um unseres Menschenbildes Willen …: Wie der Wandel in eine freie digitale Gesellschaft gelingen kann - Herausforderungen für Politik, Unternehmen und Kirche" diskutierten am 22. Oktober 2019 in Magdeburg Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Klemens Gutmann, Vorsitzender des Verwaltungsrates der regiocom SE und Präsident der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalts, und Landesbischof Friedrich Kramer, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, unter der Moderation von Friedhelm Wachs, Stv. Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer und Sprecher der regionalen Arbeitsgruppe des AEU in Mitteldeutschland.

Nach Einschätzung von Ministerpräsident Dr. Haseloff sind die Gründe für das Handeln des Täters in Halle nicht allein im Internet oder in Videospielen, sondern vorrangig in seinen Lebensumständen zu suchen. Dennoch fehle es im digitalen Raum - anders als im Fußballsport oder der klassischen Medienlandschaft - an Regularien, Gesetzen und entsprechender Rechtsprechung. In Deutschland könnte die Verpflichtung zur Angabe des Klarnamens eine Option sein, doch hält der Politiker "Wohlverhaltenskontrollen" wie in China für problematisch.

Auch Landesbischof Kramer machte deutlich, daß die Digitalisierung nicht nur technisch zu sehen ist. "Das Netz zeigt, wie der Mensch ist. Wir brauchen Normen, das ist für Christen eine große Aufgabe", so Kramer. Bei der Vermittlung christlicher Werte im Internet befürchtet er eine zunehmende Verflachung. Die Erfahrungen mit eigenen digitalen Angeboten zeigten, daß einige - etwa die zum Gebet - gut funktionierten, andere schwieriger seien - so etwa solche zur Glaubensvermittlung. Sicher aber sei: "Unser Herrgott wird uns nicht allein lassen, auch nicht mit dem Netz", so der Landesbischof.

"Aus der Bibel ergibt sich das Bild des freien Menschen, der gleichzeitig Verantwortung trägt. Deshalb ist es an uns, ethische Orientierung zu geben und uns in diesen Tagen nicht hinter Verboten zu verstecken, sondern zu orientieren, gerade auch im Netz", forderte der Stv. AEU-Vorsitzende Friedhelm Wachs. Als Christ zitiere er in diesen Tagen gerne Bonhoeffer. Denn gerade unter dem Eindruck von Terror gelte, daß es nicht zwei Räume, zwei Wirklichkeiten gibt: "Es gibt nicht zwei Wirklichkeiten, sondern nur eine Wirklichkeit, und das ist die in Christus offenbar gewordene Gotteswirklichkeit in der Weltwirklichkeit." Das Digitale sei Teil unserer alltäglichen Wirklichkeit. "Angesichts des permanenten Wandels in der Welt ist es eine bleibende Aufgabe, täglich neu klare ethische Orientierung aus unserem christlichen Menschenbild heraus zu geben, gerade auch in der Kommunikation im Internet", so Wachs.

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Militärbischof gegen gesellschaftliche Isolierung der Bundeswehr

Der Evangelische Militärbischof Dr. Sigurd Rink hat sich in dem Standpunkt "Danke, Soldatin!" für die Ausgabe August 2019 von "chrismon - Das evangelische Magazin" gegen eine Isolierung der Bundeswehr von der Gesellschaft ausgesprochen. Er würdigt die "pazifizierende Wirkung" des staatlichen Gewaltmonopols und stellt die von ihm bei seinen Einsatzbesuchen in "failing states" gemachten negativen Beobachtungen dagegen. Militärbischof Dr. Rink fordert einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert für die Bundeswehr sowie mehr Wertschätzung für die Soldatinnen und Soldaten. Nach fünf Jahren als Militärbischof und 133 Standortbesuchen plädiert er dafür, "alle Kräfte zu stärken, die die Bundeswehr in die Gesellschaft integrieren".

Dr. Sigurd Rink ist seit 2014 der erste hauptamtliche Militärbischof. Von 2002 bis 2012 war er Theologischer Berater des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer.

 

Ethischer Diskurs über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Die mit der Digitalisierung einhergehenden umfassenden Veränderungsprozesse können und müssen gestaltet werden. Für die Beschreibung und Formulierung möglicher Ziele, Grenzen sowie eines ordnungspolitischen (Regelungs-)Rahmens bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion im Lichte der christlichen Ethik. Als Anstoß und Grundlage für einen breiten Diskurs über die sich aus der digitalen Revolution ergebenden Fragen in evangelischer Perspektive hatte der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer im Januar 2018 den Impulstext "Die digitale Revolution gestalten - eine evangelische Perspektive" veröffentlicht. Dieser Impuls will zur Auseinandersetzung und ethischen Reflexion mit den vielfältigen Aspekten der digitalen Revolution anregen. Auf der Grundlage des Dreiklangs "sehen - urteilen - handeln" lädt der Impuls dazu ein, Lebenssachverhalte zu beschreiben und relevante Fragen zu formulieren und durch die inhaltliche Auseinandersetzung eine fundierte Haltung zum (Veränderungs-)Prozeß der Digitalisierung zu entwickeln.

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein wesentliches Element und zugleich Folge der Digitalisierung. Ziel der (schwachen) KI ist es, menschliche Entscheidungsstrukturen nachzubilden und Computer so zu programmieren, daß sie Probleme eigenständig bearbeiten und lösen können. Dabei ist die Fähigkeit zum autonomen Lernen eine zentrale Herausforderung an KI. Mit der exponentiell wachsenden Zahl von Anwendungen Künstlicher Intelligenz stellen sich Fragen, die sowohl Prozesse in Gesellschaft, Wirtschaft und Privatleben betreffen als auch die Themen Verantwortung und des "richtigen", d. h. des ethisch gewünschten Verhaltens: Mit welchen Konsequenzen wollen wir leben - beispielsweise dann, wenn es darum geht, daß "Alexa" eine Versicherung abschließt, oder KI-basierte Geschäftsmodelle immer intensiver genutzt werden? Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer lädt dazu ein, die Frage nach ethischen Aspekten der KI im Rahmen der Tagung "Wer hat’s entschieden? - Ethische Konsequenzen KI-basierter Entscheidungen in Wirtschaft und Gesellschaft" am 24./25. Oktober 2019 in Bad Boll zu diskutieren.

Diese Kooperationstagung mit der Evangelischen Akademie Bad Boll, der Hochschule für Technik Stuttgart und der FOM Mannheim ist ein weiterer Beitrag des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer zur inhaltlichen Entfaltung seines Schwerpunktthemas 2018 bis 2020 "Die digitale Revolution gestalten - eine evangelische Perspektive". Zugleich ist die Veranstaltung die zweite Begegnung in einer Reihe jährlicher Folgetagungen, um eine institutionenübergreifende und interdisziplinäre Plattform zur Diskussion des jeweils erreichten Fortschritts im gesellschaftlichen Diskurs zu Aspekten der KI zu schaffen. Diese jährliche Begegnung bietet interessierten Akteuren aus Unternehmen, der Kirche, ihren Einrichtungen und Werken sowie aus der Wissenschaft im 4. Quartal eines jeden Kalenderjahres Gelegenheit, sich über den aktuellen Stand der Entwicklung im gemeinsam interessierenden Themenfeld auszutauschen und dadurch diese Entwicklung mitzugestalten. (Ausschreibung | Informationen) Die nächste KI-Tagung findet am 20. und 21. November 2020 in Bad Boll statt.