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Willkommen beim AEU

Wirtschaftliches Handeln und Unternehmertum sind wesentliche Elemente unserer Gesellschaft. Dieses Handeln ist nur auf der Basis ethischer Werte nachhaltig erfolgreich. Die fortschreitende Globalisierung unserer Welt ist zugleich Herausforderung und Chance, diese Werte zu leben - damit unternehmerisches Handeln verantwortliches Handeln ist.

Die zunehmende Komplexität unserer globalen Wirtschaftsordnung verlangt nach einer wirkungsvollen und nachvollziehbaren Werteordnung. Diese findet sich im christlichen Glauben.

Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist die Brücke zwischen Wirtschaft und Evangelischer Kirche. Wir vermitteln Grundsätze, erklären Hintergründe und beleben Diskurse zu aktuellen Themen.

 

 

75 Jahre Geheimtagung des Freiburger Bonhoeffer-Kreises

Nicht nur das ordnungspolitische Konzept, sondern auch und gerade die ethische Fundierung der Sozialen Marktwirtschaft haben ihren Ursprung und ihre christliche Grundlage in der im Winter 1942/43 konspirativ erarbeiteten und im Juli 1945 veröffentlichten Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises.

Um die Engländer dazu zu bewegen, in Deutschland einer neuen Regierung nach dem geplanten Sturz Hitlers Zeit zu lassen, die Verhältnisse selbst zu ordnen, hat sich Dietrich Bonhoeffer im Mai 1942 mit George Bell, dem Bischof von Chichester, in der kirchlichen Akademie Sigtuna in Schweden getroffen. Am 9. Oktober 1942 suchte Bonhoeffer Constantin von Dietze und Erik Wolf in Freiburg auf und bat die Wissenschaftler im Auftrag der "Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche" um eine Programmschrift, "in der womöglich alle Hauptzweige des öffentlichen Lebens unter den Gesichtspunkten christlicher Sozialethik behandelt werden sollten."

Ein konspirativ tagender Arbeitsausschuß, dem zunächst nur die Freiburger Nationalökonomen Constantin von Dietze, Walter Eucken und Adolf Lampe sowie der Historiker Gerhard Ritter angehörten, bereitete diese Programmschrift unverzüglich vor. Der Haupttext wurde von Gerhard Ritter ausgearbeitet; der für die Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft belangreiche Anhang 4 (Wirtschaft- und Sozialordnung) wurde von den drei Nationalökonomen gemeinsam formuliert. Der Anhang 1 (Rechtsordnung) wurde von den Freiburger Juristen Franz Böhm und Erik Wolf erarbeitet. Nachdem von Dietze zweimal zu einer Vorbesprechung des Entwurfs der Denkschrift mit Bonhoeffer in Berlin zusammengetroffen war, fand bereits vom 17. bis 19. November 1942 im Hause der Familie von Dietze in Freiburg eine dreitägige Geheimtagung statt, auf der der Hauptteil der Denkschrift sowie die beiden bereits vorliegenden Anhänge beraten wurden. Neben den Freiburger Wissenschaftlern haben an dieser Geheimtagung folgende Personen teilgenommen: Carl Goerdeler, der frühere Leipziger Oberbürgermeister und Organisator des zivilen Widerstandes, Otto Dibelius, Generalsuperintendent der Kurmark und Vorsitzender des Rates der EKD von 1949 bis 1961, der evangelische Theologe Helmut Thielicke im Auftrag des württembergischen Landesbischofs Theophil Wurm, dem ersten Vorsitzenden des Rates der EKD von 1945 bis 1949, sowie der evangelische Unternehmer Walter Bauer als Fachmann und Vertreter der "Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche".

Als Ergebnis dieser konspirativen Beratungen wurden die Entwürfe überarbeitet sowie weitere ergänzende Anhänge in Auftrag gegeben. Nachdem in allen wesentlichen Punkten Übereinstimmung erzielt war, wurden die Arbeiten an der Denkschrift "Politische Gemeinschaftsordnung - Ein Versuch zur Selbstbesinnung des christlichen Gewissens in den politischen Nöten unserer Zeit" im Januar 1943 abgeschlossen. Das Typoskript mit allen nachträglichen Änderungen und Ergänzungen wurde von Gerhard Ritter auf dem Hierahof in Saig im Hochschwarzwald versteckt.

Das gescheiterte Attentat am 20. Juli 1944 löste eine umfassende Verfolgungswelle gegen die Mitglieder und das Umfeld des bürgerlichen und des militärischen Widerstands aus. Von der Kerngruppe des Freiburger Kreises wurden Constantin von Dietze, Adolf Lampe und Gerhard Ritter verhaftet. Gegen Walter Bauer und Constantin von Dietze wurde noch am 9. April 1945 vor dem Volksgerichtshof Anklage wegen Hoch- und Landesverrats erhoben, doch wurden sie wenige Tage vor Kriegsende befreit. Im Juli 1945 hat Gerhard Ritter die Denkschrift im Namen des Mitarbeiterkreises in Freiburg veröffentlicht. Nach der als "Stunde Null" apostrophierten Zäsur der Sommermonate 1945 ist insbesondere der Anhang 4 (Wirtschafts- und Sozialordnung) zur Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises bei der Entwicklung und Durchsetzung der Sozialen Marktwirtschaft als einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung wirksam geworden.

Zu den Mitgliedern des Freiburger Bonhoeffer-Kreises gehörte im Auftrag der "Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche" u. a. der Textilunternehmer Dr. Walter Bauer, der 1966 den Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer mitgegründet hat und dessen erster Vorsitzender war. Bei der Auseinandersetzung mit den ethischen Wurzeln und den ordnungspolitischen Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft geht es dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer um die Frage, wie die ursprüngliche ethische Fundierung und die ordnungspolitischen Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zur Bewältigung der vor uns liegenden gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen, wie z. B. Globalisierung, Digitalisierung und Vernetzung, fruchtbar gemacht werden können. So verlangt gerade die (gesellschafts-)politische Gestaltung der digitalen Transformation aus christlicher Perspektive die Einhaltung gewisser Prinzipien, wie z. B. ein freiheitliches Menschenbild (Galater 5, 1), das Subsidiaritätsprinzip, Ordnungspolitik vor Prozeßpolitik und vor allem eine wirksame Wettbewerbsordnung.

Die Aufforderung "Was die Kirche nicht selbst zur Wirtschaftsordnung zu sagen berufen ist, hat sie den christlichen Laien zu überlassen." im Anhang 4 (I. Kirchliche Grundlegung) zur Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises war zum Zeitpunkt der Gründung im Jahr 1966 und ist bis heute Motivation für ein Engagement in und für unseren Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer.

Der Anhang 4: Wirtschafts- und Sozialordnung zur Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises ist auf unserer Internetseite sowie zusammen mit einer Einführung und zwei ergänzenden Beiträgen in der 2015 herausgegebenen Broschüre "70 Jahre Denkschrift des Freiburger Bonhoeffer-Kreises" dokumentiert.

Pressemitteilung          Anhang 4 (HTML-Text)          Anhang 4 (Originalseiten, PDF, 28 MB)

 

 

 

20 Jahre ARBEIT PLUS - Letzte Auszeichnung an tempus verliehen

"Wer neue Arbeitsplätze schafft, sollte ein Gütesiegel erhalten, und das sollte zu einem positiven Wettbewerbselement werden," forderte AEU-Mitglied Dr. Rainer Meusel am 22. Juni 1997 als Präsident des 27. Deutschen Evangelischen Kirchentages im Schlußgottesdienst in Leipzig. Die positive Resonanz auf seine Anregung, statt Negativbeispiele zu brandmarken, vorbildliche Unternehmen auszuzeichnen, führte noch im selben Jahr zur Etablierung des kirchlichen Arbeitsplatzsiegels "Arbeit Plus" durch die Evangelische Kirche im Rheinland. Als Voraussetzung für eine Auszeichnung werden Unternehmen in einem differenzierten Evaluierungsverfahren bewertet. Bis zu 80 Einzelkriterien werden zu vier inhaltlich verbundenen Gruppen verdichtet: Lebenschancen, Beteiligungschancen, Entfaltungschancen und Sozialkultur. Die ersten Auszeichnungen konnten bereits am 30. November 1998 durch Präses Manfred Kock in Düsseldorf vergeben werden. 1999 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das Projekt übernommen und "Arbeit Plus" bundesweit ausgeschrieben. Unser Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer hat dieses innovative Projekt über die ersten strukturierenden Diskussionen, die wissenschaftliche Fundierung, u. a. durch die AEU-Mitglieder Professor Dr. Hans Raffée und Professor Dr. Joachim Fetzer, und die organisatorische Unterstützung zahlreicher Werbe- und Vergabeveranstaltungen aktiv begleitet.

Nach einer Laufzeit von 20 Jahren hat die EKD das Projekt "Arbeit Plus" nun eingestellt. Die letzte Auszeichnung wurde am 8. November 2017 auf dem Personal-Kongreß Mittelstand in Stuttgart an das Unternehmen tempus GmbH von AEU-Mitglied Professor Dr. Jörg Knoblauch verliehen. In seiner Laudatio führte Dr. Meusel aus: "Die Welt hat sich in den zurückliegenden 20 Jahren verändert. Die Wirtschafts- und Sozialdenkschriften der EKD, an denen auch Professor Dr. Knoblauch maßgeblich mitgewirkt hat, haben das Verhältnis Kirche-Wirtschaft versachlicht, die Arbeitslosenquote ist nur noch halb so hoch wie 1997 und – das muß man leider konstatieren - die nachlassende Bedeutung der christlichen Kirchen in unserer profanen und multikulturellen Gesellschaft hat den Wunsch nach einem kirchlichen Gütesiegel auch schwinden lassen."

In seinem Dankeswort formulierte Professor Dr. Knoblauch aus der Perspektive eines mittelständischen Unternehmers Wünsche an die Evangelische Kirche: "Unsere Kirche muß sich darauf konzentrieren, das Evangelium weiterzugeben." Unternehmen leisteten nur dann gute Arbeit, wenn sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrierten; sonst würden sie verwechselbar und damit austauschbar. Das gelte auch für die Kirche. Knoblauch zufolge benötige sie "hervorragende Pfarrer", die "ganz überdurchschnittliche Arbeit leisten". Sie müßten das Evangelium so verkünden, daß es Menschen von heute verstehen. Da die Kirche immer mehr Pfarrstellen abbaue, müßten Theologen lernen, einen Kreis von ehrenamtlichen Mitarbeitern aufzubauen. Der Unternehmer forderte die Kirche auch auf, sinkende Gottesdienstbesucherzahlen nicht hinzunehmen. Es gelte, neue Gemeindemitglieder und Besucher zu gewinnen. Knoblauch: "Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, wenn wir nicht mehr danach fragen, warum die eine Gemeinde hoch attraktiv ist und die andere offenbar nicht." Nicht nur Unternehmen müßten sich immer wieder neue erfinden, auch die Kirche müsse sich ständig reformieren.

Laudatio Dr. Rainer Meusel          Dankeswort Professor Dr. Jörg Knoblauch

 

 

Jahresempfang 2017: Wirtschaft und Kirche im Dialog

"Die Reformation war Anlaß für eine tiefgreifende Reform, die nicht nur für Theologie und Kirche, sondern gesamtgesellschaftlich und europaweit eine tiefgreifende Veränderung bedeutete," erläuterte Bischöfin Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland und Mitglied im Rat der EKD, in ihrem Vortrag "Reformation heute - Glaube und Gesellschaft im Dialog" auf dem Jahresempfang des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer am 20. September 2017 in Frankfurt am Main.

Bischöfin Fehrs entfaltete das Thema anhand der vier reformatorischen Exklusivpartikel. "Christus soll im Mittelpunkt stehen. Das ist es, worauf es ankommt. Und wenn es darum geht, was uns als evangelische Kirche ausmacht, dann genau das: Nicht auf Luther schauen, nicht auf unsere große Vergangenheit, nicht auf Macht und Einfluß, sondern allein auf Christus. Solus Christus. Der Gott, der ganz und gar Mensch geworden ist, das ist unser Profil," so Fehrs.

Mit Blick auf die permanent drohende Überforderung durch einen falsch verstandenen Leistungsbegriff machte Bischöfin Fehrs deutlich, daß wir das wirklich Wertvolle in unserem Leben, das, was uns im Innern der Seele glücklich macht und stark, nicht verdienen, sondern nur empfangen können. Sola gratia. Luther sei nicht gegen Leistung gewesen, vielmehr habe er den Arbeitsbegriff aufgewertet. "Das ganze Leben soll im Dienst Gottes stehen. Alles ist Berufung - bzw. Beruf", führte die Bischöfin aus. Aus reformatorischer Sicht habe Arbeit und Wirtschaft eine klare Perspektive, sie solle dem Nächsten dienen. "Nicht der Mensch hat sich am Wirtschaftssystem auszurichten, sondern das Wirtschaftssystem am Menschen", betonte Fehrs.

"Als Vorsitzender des Vorstandes der Commerzbank AG und als Mitglied im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist es mir ein besonderes Anliegen, daß der Austausch zwischen Unternehmern und Vertretern der Kirche über gesellschaftspolitische Fragestellungen intensiv geführt wird", betonte Martin Zielke als Gastgeber des Jahresempfangs 2017. "Glaube, Freiheit, Verantwortung - Umbruch und Perspektiven ist das übergreifende Schwerpunktthema für die Jahre 2015 bis 2017 und die Themen Freiheit und Verantwortung sind auch für mich als Manager von zentraler Bedeutung. Denn Unternehmer sind nicht nur ihren Shareholdern, also ihren Aktionären bzw. Eigentümern, verpflichtet. Sie tragen auch Verantwortung für das Wohlergehen der Gesellschaft insgesamt", so Zielke. "Das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Verantwortung in der Sozialen Marktwirtschaft müssen wir uns immer wieder bewußt machen. Denn beide sind zwei Seiten ein und derselben Medaille. Sie bilden die Grundlage für jede unternehmerische Tätigkeit. Das ist unsere Überzeugung als evangelische Unternehmer und die Botschaft, die wir auch in der Öffentlichkeit deutlich machen müssen."

Vortragsmanuskript          Bildergalerie          epd-Bericht          idea-Bericht

 

 

"Nahezu alle Manager und Unternehmer verhalten sich integer!"

"Den ehrbaren Kaufmann gibt es immer seltener", konstatierte die frühere Bischöfin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Ratsvorsitzende, Professor Dr. Margot Käßmann, in einem Interview mit der WirtschaftsWoche am 16. Juli 2017. Dieser Einschätzung widerspricht der Stv. Vorsitzende des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, Friedhelm Wachs: "Nahezu alle Manager und Unternehmer verhalten sich integer! Diese ehrbaren Kaufleute sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft."

In einem Interview mit der WirtschaftsWoche vom 10. August 2017 verwahrt sich Wachs gegen eine pauschale Diffamierung von Managern und Führungskräften. Regelwidriges oder gar kriminelles Verhalten gehöre aufgedeckt und bestraft, doch dürfe von dem Fehlverhalten einiger weniger nicht auf die Gesamtheit von fast vier Millionen Führungskräften in der Wirtschaft geschlossen werden. Weiterhin fragt Wachs in seiner Positionierung nach den Lösungsbeiträgen der Evangelischen Kirche zu der von Professor Dr. Käßmann beklagten Situation.

zum WiWo-Interview

 

 

"Mein Glaube ist das Fundament für meine tägliche Arbeit"

"Mein Glaube ist das Fundament für meine tägliche Arbeit. Ich bin überzeugt: Die Soziale Marktwirtschaft ist die Gesellschaftsordnung, die dem christlichen Menschenbild am besten entspricht", stellt Werner M. Bahlsen in seinem Beitrag für das vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer herausgegebene Buch "Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften. - Protestantische Unternehmer sprechen über ihren Glauben" klar.

Für den Familienunternehmer in dritter Generation und Vorsitzenden der Geschäftsführung der Bahlsen GmbH & Co. KG bedeutet Menschsein im christlichen Sinn die Freiheit und auch die Verpflichtung, diese Welt zu gestalten. "Wir wollen die Welt gestalten und Dinge bewegen. Damit legen wir die Grundlagen für 'Wohlstand für alle'. Das ist großartig! Der Glaube hilft mir, dieser Verantwortung gerecht zu werden, aber trotzdem nicht abzuheben. Ich weiß auch um meine eigenen Grenzen, ich bin kein 'Alleskönner'. Von Gott bin ich angenommen so, wie ich bin. Ich muss mir seine Liebe nicht verdienen", bekennt Bahlsen, der sich auch im Kuratorium des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer engagiert. Bahlsen, der seit 2015 Präsident des Wirtschaftsrats der CDU ist, sieht zwischen Gewinnorientierung und christlichem Glauben keinen grundsätzlichen Widerspruch: "Als Familienunternehmen ist unser Ziel die dauerhafte Erzielung stabiler Gewinne und nicht eine kurzfristige Maximierung. Als Christ findet Gewinnstreben allerdings dort seine Grenze, wo es unethisches Handeln fordert. Richtschnur ist für mich dabei der ehrbare Kaufmann."

Im Rahmen des Empfangs des Arbeitskreises Evangelicher Unternehmer unter dem Thema "Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften. - Mein Glaube ist das Fundament für meine tägliche Arbeit" anläßlich des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2017 in Berlin in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Bank erläuterte Werner M. Bahlsen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bahlsen GmbH & Co. KG und Präsident des Wirtschaftsrates der CDU, im Gespräch mit Friedhelm Wachs, Geschäftsführender Gesellschafter der Wachsonian GmbH und Stv. Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, den Zusammenhang zwischen Glauben und Freiheit sowie zwischen unternehmerischer Freiheit und unternehmerischer Verantwortung.

Video-Impressionen (2:25)          Bilder-Galerie

 

 

"Ich kann mir mein Seelenheil nicht durch Ablass erkaufen"

Anläßlich des Reformationsjubiläums fragt die WirtschaftsWoche Friedhelm Wachs, Stv. Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer: "Ein 'christlicher Unternehmer' sein, 'protestantisch verantwortlich handeln' oder 'mit Luther wirtschaften' - geht das überhaupt?" Wachs: "Das geht perfekt. Unsere Soziale Marktwirtschaft basiert auf den ethischen Grundlagen und den ordnungspolitischen Prinzipien des Freiburger Bonhoeffer-Kreises." "Sein Ziel war es, 'eine Wirtschaftsordnung vorzuschlagen, die - neben ihren sachlichen Zweckmäßigkeiten - den denkbar stärksten Widerstand gegen die Macht der Sünde ermöglicht, in der die Kirche Raum für ihre eigentlichen Aufgaben behält und es den Wirtschaftenden nicht unmöglich gemacht oder systematisch erschwert wird, ein Leben evangelischer Christen zu führen.' Das Ergebnis ist die Soziale Marktwirtschaft. In dieser Wirtschaftsordnung sind christliche Unternehmer ein zwingender Bestandteil."

Zur Unterscheidung zwischen einem christlichen Unternehmer und einem ehrbaren Kaufmann führt Wachs aus: "Der christliche Unternehmer hält Maß, weil er sich an der christlichen Botschaft orientiert und seine persönliche Verantwortung vor Gott sieht. … Der irdische Nutzen heute treibt den ehrbaren Kaufmann, das göttliche Heil den christlichen Unternehmer."

Milton Friedmans These The business of business is business. widerspricht Wachs in Anlehnung an Wilhelm Röpke: "Die Grundlage von Business ist der Mensch, Business, das nicht dem Menschen dient, ist kein Business".

Der Claim "protestantisch verantwortlich handeln" faßt das Selbstverständnis des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer zusammen und ist als Leitwort Grundlage und Ziel unserer Arbeit.

zum WiWo-Interview          Interview-Text

 

 

Christliche Werte prägen das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns

"Wir brauchen die Grundsätze des ehrbaren Kaufmanns, weil menschliches Zusammenleben, auch über Länder- und Kulturgrenzen hinweg, auf gegenseitigem Vertrauen beruht," forderte der Vorsitzende des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, Dr. Peter Barrenstein, auf dem Ökumenischen Wirtschaftsforum am 11. Mai 2017 in Mannheim.

Vertrauen, Verläßlichkeit, Ehrlichkeit, Qualitätsorientierung und Respekt sind wichtige Merkmale, mit denen globale Geschäftspartner deutsche Unternehmer und Führungskräfte beschreiben. "Dieses grundsätzlich positive Urteil wird aus meiner Sicht dadurch begründet, daß unser Gesellschaftssystem, unsere Werteordnung der Sozialen Marktwirtschaft nach wie vor in hohem Maße durch ein christlich basiertes Wertesystem geprägt sind. Ein Wertesystem, das noch selbst da verinnerlicht ist, wo Menschen die Institution Kirche verlassen haben. Die Goldene Regel, die Zehn Gebote, Kerngedanken der Bergpredigt sowie die großen Gleichnisse der Bibel prägen unser aller Denken und Handeln, bewußt oder eben auch unbewußt, und geben eine klare Orientierung für das, was richtig ist und was falsch ist."

Programm          Vortragstext

 

 

Der Dienst im Beruf am Nächsten ist Kern des christlichen Lebens

"Die Entdeckung, daß alle Menschen von Gott her eine Berufung und damit einen Beruf in der Gesellschaft haben, war eine wirkliche Revolution! Diese Einsicht Martin Luthers stellt einen gewaltigen Schritt in der Entwicklung Europas und insbesondere in der Durchsetzung moderner Wirtschaft und Lebensverhältnisse dar," faßte Professor Dr. Gerhard Wegner Martin Luthers reformatorisches Verständnis vom Beruf des Christen zusammen. "Der Dienst im Beruf am Nächsten - die Ausrichtung der Arbeit auf die Nützlichkeit für andere, der Alltag ist seitdem der Kern des christlichen Lebens. Ohne die jahrhundertelange religiöse Prägung ist das moderne, westliche Arbeitsethos kaum verständlich. Beruf klingt nicht nur im Deutschen nach wie vor immer noch ein wenig nach Berufung - er bleibt es in der Mentalität auch tatsächlich. Und dies deswegen, weil sich mit ihm offensichtlich Sehnsüchte der Menschen nicht nur nach guter Arbeit, sondern nach einem guten, weil sinnvollen und produktiven Leben verbinden."

Im Mittelpunkt des Forums 2017 (Jahrestagung) des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer "Martin Luthers reformatorisches Verständnis vom Beruf des Christen - Impulse für Führung und Beruf im 21. Jahrhundert" vom 28. bis 30. April 2017 am Fuße der Wartburg in Eisenach standen die Fragen, wie die Erfahrungen der Reformation für die Gegenwart nutzbar gemacht werden können bzw. wie das protestantische Berufsethos unternehmerische Verantwortung trägt, sowie Überlegungen zu Neuentdeckung und Zukunft des Berufs.

Programm          Vortragstext Professor Dr. Gerhard Wegner          Bilder-Galerie

 

 

AEU mit Hanns-Lilje-Stiftungspreis ausgezeichnet

Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist mit dem Hanns-Lilje-Stiftungspreis "Freiheit und Verantwortung" ausgezeichnet worden. Im Rahmen einer Festveranstaltung am 29. März 2017 in der Neustädter Hof- und Stadtkirche in Hannover nahm Friedhelm Wachs, Stv. Vorsitzender des AEU, den renommierten Preis für die evangelischen Unternehmerinnen und Unternehmer entgegen, die sich im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer für den Dialog zwischen Wirtschaft und Kirche engagieren.

In der Begründung der Jury heißt es: "Dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer gelingt es, Führungskräfte in Unternehmen für Glaubensfragen zu sensibilisieren und in Glaubensfragen zu vergewissern. Er bietet damit in einzigartiger Weise ethische Orientierung und fachlichen Austausch für unternehmerische Entscheidungen auch in Krisensituationen. Darüber hinaus beteiligt er sich an der kirchlichen und gesellschaftspolitischen Meinungsbildung zu wirtschafts- und sozialethischen Fragen. Ein Gewinn für die Unternehmen, die Kirche und die Gesellschaft!"

Für den Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer unterstreicht die Verleihung des Hanns-Lilje-Stiftungspreises "Freiheit und Verantwortung" die Bedeutung des Dialogs als Voraussetzung für einen offenen Diskurs zur Verständigung über gesellschaftliche Fragen. Dies gilt um so mehr in einer Zeit, in der die lautstarke Wiederholung von Behauptungen und Positionen das Eingehen auf Fakten bzw. den Austausch von Argumenten zu verdrängen droht.

Pressemitteilung          Bewerbung          Hanns-Lilje-Stiftungspreis 2017

 

 

Ratsvorsitzender: Kirche bietet Unternehmern geistliche Heimat

"Die Kirche bietet Unternehmern eine geistliche Heimat," stellte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm beim 10. Kongreß christlicher Führungskräfte 2017 in Nürnberg klar. Der Ratsvorsitzende reagierte im Rahmen einer Podiumsdiskussion am 23. Februar 2017 auf den Vorwurf, die Kirche biete mit ihrer "Schwarz-Weiß-Ethik" Führungskräften in der Wirtschaft keine Orientierung und habe deshalb ihre Relevanz und ihren Einfluß bei großen Unternehmen "längst verloren".

In seinem Widerspruch verwies Bedford-Strohm darauf, daß beim Kongreß christlicher Führungskräfte viele Menschen teilnehmen, die sich im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer engagieren und unternehmerisches Handeln sehr differenziert betrachten.

Weiterhin verwies er auf die Unternehmerdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" mit einer ethischen Würdigung unternehmerischen Handelns aus dem Jahr 2008. Die Kirche habe die Aufgabe, die klare Grundorientierung der Bibel ins Gespräch zu bringen. "Gerade für Führungskräfte ist der christliche Glaube, gerade als Quelle der Vergebung in ethischen Dilemma-Situationen eine große Kraft- und Orientierungsquelle," postete der Ratsvorsitzende nach der Podiumsdiskussion auf Facebook.

 

 

Reformationsjubiläum 2017: "Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften."

Die Frage nach der Vereinbarkeit einer protestantisch geprägten Haltung mit unternehmerischem Handeln beschäftigt den Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer seit seiner Gründung. So beschreibt die (Wirtschafts-)Denkschrift der EKD "Gemeinwohl und Eigennutz - Wirtschaftliches Handeln in Verantwortung für die Zukunft" (1991) ein weitverbreitetes Vorurteil: "Offenkundig begegnet die Marktwirtschaft tiefverwurzelten und traditionsreichen christlichen Vorbehalten. Nicht wenige Christen fragen, ob das 'Hungern und Dürsten nach Gerechtigkeit' mit einer verantwortlichen Mitwirkung im Rahmen einer marktwirtschaftlichen Ordnung verträglich ist". Deshalb haben wir anläßlich unseres 50. Gründungsjubiläums evangelische Unternehmer, Manager und Führungskräfte nach ihren persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen gefragt.

Mit der Neuerscheinung "Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften." zeigen und belegen wir durch 35 authentische Beiträge, Interviews und Portraits auf überzeugende Weise, daß eine protestantisch begründete Haltung und (erfolgreiches) wirtschaftliches Handeln eben kein Widerspruch sind. Wir verstehen dieses Buch als Impuls des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer zum Reformationsjubiläum 2017 aus unternehmerischer Perspektive.

Die Neuerscheinung

Peter Barrenstein | Wolfgang Huber | Friedhelm Wachs (Hg.)
Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften.
Protestantische Führungskräfte sprechen über ihren Glauben
edition chrismon 2016
320 Seiten | Hardcover
ISBN 978-3-96038-006-1
EUR 24,90 [D]

kann über den Buchhandel, Distributoren wie Amazon oder unmittelbar bei der Evangelischen Verlagsanstalt als Hardcover oder als E-Book bezogen werden.

Zur Bestellseite der Evangelischen Verlagsanstalt.

 

"Ich lese immer wieder mit heller Begeisterung in diesem Buch. 35 persönliche Stellungnahmen von Menschen in unterschiedlicher wirtschaftlicher Verantwortung. Farbig, anschaulich, klar. Klar auch in dem expliziten Bezug auf ihren christlichen Glauben in seiner evangelischen Gestaltung. Ich bin  überzeugt: Seit ich lese, habe ich ein solches Buch in deutscher Sprache noch nicht gesehen."

Bischof a. D. Professor Dr. Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland von 2003 bis 2009, auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des Buches "Evangelisch. Erfolgreich. Wirtschaften." am 14. September 2016 in Frankfurt am Main.